Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

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Tudor the Traveller
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Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Tudor the Traveller » 11. Februar 2015, 11:24

Hallo zusammen,

im Tanelorn läuft aktuell eine Diskussion zu Plausibilität von Fantasy-Settings. Da ich keine Lust habe, dort mitzudiskutieren, hole ich das Thema mal hier herüber.

Worum soll es gehen?:

Kritikpunkt: viele Fantasy-Settings edit:sind sehr statisch haben eine sehr statische Geschichte. Alle haben ihr Reich, ihre Technologie, ihre Magie usw. Konflikte gibt es, wirken aber oft konstruiert und sollen augenscheinlich auf das Gesamtkonstrukt des Settings nicht zu viel Einfluss haben (absichtliche Weltumwälzungen mal außen vor, die dann oft genauso konstruiert wirken).
Insgesamt fehlen einfach ständige Entwicklungen; nicht in dem Sinne technologischen Fortschritts, sondern einfach einer Weiterbewegung. Technologien, Kulturen, Lebensräume (Stichwort Völkerwanderungen), etc.

Das ist natürlich ein komplexes Thema, das wir hier auch gar nicht umfassend diskutieren werden können. Trotzdem möchte ich versuchen, mal ein paar Gedanken dazu zu sammeln.

Zwei Aspekte möchte ich dabei betrachten:

1. Technologie
Wir haben grob zwei Prämissen in der Fantasy: Die Technologie-Stufe soll "Mittelalter" sein (was auch immer das genau ist) und es gibt Magie. Um einen konkreten Rahmen vorzugeben, soll die Diskussion auf D&D 5 Niveau basieren.
- 90% aller Magiewirker weltweit beherrschen maximal Level 3 Zauber
- Magiewirker sind in der Anzahl sehr begrenzt. Es gibt nur eine egringe Zahl an Magiewirkern, die an Kriegen partizipieren (können).
- Magie ist verbreitet aber nicht alltäglich. (vielleicht so wie ein Porsche hierzulande; allen bekannt, von den meisten schon gesehen, von einigen schonmal gefahren und ein paar wenige kaufen sich einen; aber die meisten kommen gut ohne aus)

Technologie: wir brauchen eine Entwicklung in der Waffentechnologie ohne bei Feuerwaffen anzukommen.

Soviel zunächst zum Start. Später mehr!

edit: Die Entwicklung soll retrospektiv "erfahrbar" sein, damit sich das Setting glaubwürdig anfühlt. Es hat eine Entwicklung bis zum "jetzt" gegeben. Ich möchte zu einem Punkt gelangen, wo ein SC sagen kann: diese Technologie / dieses Land / ... gibt es erst seit 30 Jahren. Davor gab es mal XY, aber jetzt eben nicht mehr.
Zuletzt geändert von Tudor the Traveller am 11. Februar 2015, 15:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 11:58

Sowas endet bei mir in einer Zeitleisten-Chronik in der festgehalten wird was, wie, wo passiert.
Desto weniger Magie verfügbar ist desto einfacher ist die Welt (auch Technologisch) mit dem uns bekannten Mittelalter vergleichbar.
Wobei man auch dort schauen müsste welchen Teil des Mittelalters man nimmt, sind schließlich auch ein paar Jahrhunderte...

Man sollte sich wohl an der Zeit vor/um Marco Polo orientieren.

Eine dynamische Welt würde allerdings auch eine Simulation der Welt erfordern.
Nicht nur politisch, sondern auch Wetter, Katastrophen u.Ä. beinhalten.
Das halte ich für einen normalen Spielbetrieb für vollkommen übertrieben.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Mic » 11. Februar 2015, 12:20

Ich muss auch sagen, hier von einer Statik zu einer Dynamik überzugehen finde ich wild übertrieben. Man betrachtet ja in der Regel gerade mal ein paar Monate, höchstens vielleicht die 5 Jahre einer "Heldenkarriere". Hier den Fokus auszuweiten, mag vielleicht simulatorisch interessant sein, aber fürs Rollenspiel hat das quasi keine Bewandnis.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Tudor the Traveller » 11. Februar 2015, 15:01

Ah, ich sehe, ich habe einen entscheidenden Hinweis vergessen: es geht um die Geschichte des Settings, nicht um die Zeit rund um die SC. Ergänze ich oben.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Tudor the Traveller » 11. Februar 2015, 15:16

Mapugnar hat geschrieben: Mir fehlen in den meisten Settings Gründe, warum die Zahl der Magiewirker nicht drastisch zunimmt.
Das ist in der Tat einer der zentralen Knackpunkte in den Fantasy-Settings. Wobei im Tanelorn in der Regel eher Richtung Kriegsführung diskutiert wird. Warum haben die Städte Stadtmauern, wenn so viele Bedrohungen fliegend daher kommen?

Hier ist Teil des Problems, dass die Designer beim Ausarbeiten der Magie solche Aspekte kaum bis gar nicht berücksichtigen. Die Zahl der Magiewirker lässt sich noch relativ leicht deckeln (angeboren, lange und teure Ausbildung, teurer Unterhalt). Schwieriger wird da eher die Kosten der Magie an sich zu deckeln, weil es da oft an Ansätzen fehlt. Stichwort "Everburning Torch" (oder auch perpetuum mobile).
Der wichtigste Schritt in dieser Hinsicht ist also in meinen Augen, Magie nicht kostenlos zu machen.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 15:33

Im Mittelalter gab es auch keine zigtausend Ingenieure.
Das kann man recht schnell über den Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten / Kosten erklären.

Dazu kommt noch die Komponente Intelligenz, schließ muss man ein gewisses Mass jener
mitbringen um Magie überhaupt zu wirken. Bedenkt man nun, dass eine Grundbildung
wahrscheinlich nicht flächendeckend verfügbar ist (wahrscheinlich 50+% Analphabeten)
dann sieht es mit der Verfügbarkeit von Magiern doch wieder recht mau aus.
(wie bei Ingenieuren im Mittelalter)
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Dis Pater » 11. Februar 2015, 16:15

Veränderungen brauchen Zeit. Und sie brauchen einen fruchtbaren Boden, auf dem sie gedeihen können.
Fehlt eines von beiden, befinden wir uns sehr schnell in einer stagnierenden Situation.

Wenn man dies im Hinterkopf behält, könnten folgende Punkte ggf. eine Rolle in der Diskussion spielen:
  • Zuallererst muss der Zeitrahmen geklärt werden, über den wir sprechen. Mapugnar hat absolut Recht, wenn er darauf hinweist, dass es rein theoretisch möglich ist, epische Kampagnen oder Erzählstränge über Jahrzehnte, Jahrhunderte oder gar Jahrtausende zu verfolgen. Meiner persönlichen Erfahrung nach kommt das aber recht selten vor (man möge mich da eines Besseren belehren). Es sollte in jedem Fall klar sein, dass das Problem der Hintergrund-Dynamik nur dann auftritt, wenn (a) ein hinreichend großer Zeitraum im Spiel abgedeckt, oder (b) ein kurzer Zeitraum bewusst in eine Zeit des Umbruchs gelegt wird (historische Beispiele: der Fall der Römischen Republik, die Französische Revolution, das Ende des Kalten Krieges, etc.) Liegt keiner dieser beiden Fälle vor, ist die jeweilige Welt tatsächlich als statisch aufzufassen (was von der Realhistorie vor dem 19. Jh. auch eindrucksvoll bestätigt wird). Man darf an dieser Stelle nicht unsere sich extrem schnell wandelnde Welt mit der Welt einer mittelalterlichen Zivilisation verwechseln.
  • Zweitens sollte dann dementsprechend berücksichtigt werden, dass das Mittelalter in seiner ganzen Ausdehnung (je nach Definition von etwa 500 bis ca. 1500 n.u.Z.) eine insgesamt recht statische Zeitspanne darstellt. Technologische und gesellschaftliche Entwicklungen halten sich in überschaubaren Grenzen und betreffen oft nur Details. Weltbild, gesellschaftliche Struktur, Fortbewegung, Kommunikation, große Teile der Kriegsführung wandeln sich nicht dramatisch. Wenn also ein Fantasy-Setting sich bewusst ans Mittelalter anlehnt, dann stellt sich für mich die Frage, warum ein solches Setting dann nicht auch weitestgehend statisch sein kann. Eventuell wäre auch noch spannend zu klären, an welche Subepoche sich das Setting anlehnt. Denn dann könnte man den Fortschritt (zumindest auf gesellschaftlicher und technologischer Ebene) einfach am realhistorischen Hintergrund festmachen. Orientiert sich eine Fantasy-Welt eher am Früh-MA ist technologischer "Fortschritt" (wie von Tudor gewünscht) ohne Probleme möglich. Bei einem Spät-MA-Setting wird die Vermeidung von Feuerwaffen hingegen schon recht problematisch. (Überhaupt stellt die Renaissance einen dramatischen Umbruch dar.)
  • Zuletzt muss man bedenken, welche fortschrittsfeindlichen, also konservativen, Kräfte am Werke sein könnten, um eventuell aufkeimenden Veränderungswillen radikal zu unterdrücken. Realhistorisch war das in vielen Situationen die Kirche, ein entsprechendes Äquivalent lässt sich sicher auch für ein Fantasy-Setting schaffen. Wo es dann keine Institution sein soll, können auch Naturgegebenheiten helfen: Mangel an bestimmten Rohstoffen, Verlust von Wissen durch Naturkatastrophen oder auch ein regelmäßiger Kataklysmus könnten Gründe sein, warum eine Welt sich nicht über ein bestimmtes Niveau hinweg entwickelt. Ganz perfide wäre etwa eine Art "auto-reset", bei der die Götter (oder irgendein Äquivalent) die Welt bei der Erfindung der ersten Feuerwaffe oder Dampfmaschine zurück in die Steinzeit schleudern, weshalb ein bestimmter Priester-Orden in vorauseilendem Gehorsam alle Erfindungen in dieser Richtung sabotiert / verhindert. (Twist-Idee: Woher weiß man, dass es den Kataklymus wirklich gibt? Woher, dass er immer eintritt? Vielleicht gibt es Anzeichen, dass die Götter die Welt verlassen haben - heißt das nun, dass der "auto-reset" nun nicht mehr zu befürchten ist? Wie sehen das die Wächter? Würde das für sie einen Machtverlust bedeuten?)
Mir ist bewusst, dass diese Hinweise nicht wirklich helfen, wenn wir den Fokus auf Magie legen, aber dazu gibt es eben auch kein realhistorisches Vorbild. Wobei: Wenn man Magie im Großen und Ganzen mit Wissenschaft (oder zumindest einer Spielart davon) gleichsetzt, müsste eine magische Welt, in der die Nutzung dieser Kräfte grundsätzlich planmäßig möglich ist, eigentlich dem 19. oder 20. Jahrhundert mit seinem rasanten Fortschritt von aufeinander aufbauendem Wissen und wachsenden Manipulationsmöglichkeiten entsprechen. Es sei denn natürlich, dieser Entwicklung stehen wie oben schon erläutert, bestimmte Hindernisse im Weg. Das kann schon bei der Natur der Magie beginnen, die etwa nur durch wenig, ggf. ausge-/auserwählte Personen ausgeübt und von den anderen nicht erlernt werden kann. Denkbar sind zudem Magierverfolgungen, oder Stigmatisierung aus den verschiedensten Gründen, Mangel an Rohstoffen (und ich rede hier nicht von trivialen Dingen wie Eulenfedern und Wein) oder erhebliche Risiken bei der Anwendung von Magie (Wahnsinn, Mutationen, Tod, Unvorhersehbarkeit des Effektes). Fehlen solche Beschränkungen, dann ist eine fehlende Dynamik allerdings schwierig nachzuvollziehen. Ohne Repressionen und mit genügend Zeit müsste sich eigentlich jede der Magie mächtige Gesellschaft in Kürze gänzlich wandeln.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 17:13

Mapugnar hat geschrieben:Und dann muss man das Ganze noch sehr weit in der Vergangenheit erklären: Warum hat sich die Magie nicht ausgebreitet, obwohl sie schon seit mehreren tausend Jahren existiert?
Rohöl / Steinkohle liegt auch seit Jahrtausenden im Boden herum, trotzdem wurden sie erst die letzten 2 Jahrhunderte wirklich interessant in der Nutzung.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 17:54

wie haben die inkas ohne das rad machu picchu erscahffen können.
es ist ja nciht so das niemand wusste, dass das zeug brennt, trotzdem der nutzen nicht so einfach außer ein einfaches feuer machen.

ich denke mal das sicherlich 90% der weltbevölkerung keinen eigenen ottomotor ohne weitere anleitung etc bauen und nutzen könnten!
ein standard fantelalter setting sieht nunmal keine schulpflicht oder ausbildungssystem vor. (auch wenn wir im hrrdn es rudimentär hatten)

auch universitäten waren im mittelalter keine weit verbreiteten institutionen.
ich setze gerne den magier mit dipl-ing (o.Ä.) gleich, weil beides eine ganze menge an studium in einer bestimmten richtung vorsieht.

wir können uns den momentanen stand nur erlauben, da es nur noch relativ wenige leute braucht um uns mit nahrung zu versorgen.
das ist in fantelalter auch nicht so vorgesehen. sonst reden wir von high-magictech szenarios die so aber nicht vorhanden sind.

eine entwicklung in der waffentechnologie gibt es doch auch: schwerter die auf befehl elemetarschaden verursachen sind auch eine entwicklung

politische entwicklung im mittelalter... soviel gab es da auch nicht. die meisten verschiebungen kamen erst im spätmittelalter oder danach (holland, schweiz, schweden, kolonialkram etc.) und auch heute gibt es die alten mächte dahinter immer noch (England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Polen etc.) welches europäische land aus dem mittelalter ist den komplett untergegangen und bestehen nicht in irgendeiner abgewandelten form weiter? mir fällt attroc nur Byzanz ein...
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Tudor the Traveller » 11. Februar 2015, 19:45

Mapugnar hat geschrieben:...Gibt es zu wenige Magier? Wollen die nicht ausbilden? Gibt es zu wenige Menschen, die sich eine solche Ausbildung leisten können?...
Und dann muss man das Ganze noch sehr weit in der Vergangenheit erklären: Warum hat sich die Magie nicht ausgebreitet, obwohl sie schon seit mehreren tausend Jahren existiert?
Ich hab mal ein paar Gedanken hervorgehoben. Alles richtige Fragen, finde ich.

Gibt es zu wenige Magier?
Das ist vom Setting abhängig. In den meisten Fällen gibt es in der Tat eher wenige Magier. Teils, weil Magie im Setting angeboren sein muss. Teils, weil sie einfach elitär sind. Was mich zu...

Wollen die nicht ausbilden?
...führt. Genauso wird es häufig gesagt. "Arkan" heißt ja "geheim". Es geht bei Magie oft um geheimes Wissen. Magier haben ein bedeutendes Interesse daran, dass nicht zu viele, und vor allem nicht die "falschen" Leute zaubern können. Sonst verlieren sie ja ihre elitäre Stellung. Wenn es nur ein paar Magier gibt, können die für ihre Dienste fast alles fordern. Wenn es aber tausende Magier gibt... Das ist dann so ähnlich wie bei den Gilden.

Und dann die Frage, wer es sich leisten kann. Kommt darauf an, ob eine Form von Förderung existiert. Ich kenne aber auch einige Settings, wo man für die Lehre ganz schön blechen muss. Warum das so ist? Siehe oben ;)

Warum hat sich die Magie nicht schon längst verbreitet? Was hindert einen mächtigen Staat daran, tausende Magier auszubilden?
Ein Teil der Antwort ist durch das oben Gesagte gegeben. Dazu kommen Kosten. Allein die Zeit der Ausbildung ist bereits unattraktiv. Davon abgesehen: wofür braucht man denn Horden von Zauberern? Ich denke nicht, dass die in Kämpfen in großen Formationen irgendwie zweckmäßig sind. Und für viele Missionen sind sie meines Erachtens auch einfach nicht der passende "Truppentyp".
Abseits vom Kampf: richtiger Gedanke. Mehr Zauberei = mehr "Ouput". Stellst sich noch die Frage nach der Effizienz, also dem Kosten-Nutzen-Faktor. Das lässt sich mE nicht einfach klären.

Ansonsten HAT sich die Magie ja verbeitet. In der Regel gibt es überall Magiewirker. Nur eben nicht in der Masse. Das Gegenbeispiel ist übrigens Eberron, wo Magie tatsächlich mehr oder weniger ein Handwerk ist.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Tudor the Traveller » 11. Februar 2015, 19:48

Dis Pater hat geschrieben: Mir ist bewusst, dass diese Hinweise nicht wirklich helfen, wenn wir den Fokus auf Magie legen,
Doch, alles sehr richtige und wichtige Gedanken. Danke!
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Tudor the Traveller » 11. Februar 2015, 19:50

Kalgani hat geschrieben: wir können uns den momentanen stand nur erlauben, da es nur noch relativ wenige leute braucht um uns mit nahrung zu versorgen.
Extrem guter Punkt!

Ich fasse zusammen:

Magie ist eine derart mächtige "Ressource", dass jeder Staat / jede Organisation ein großes Interesse daran haben muss, a) viel davon zu haben bzw. b) den "globalen" Magieeinsatz zu kontrollieren.
Magie ist aber nicht beliebig zu erlernen und entsprechend auch nicht einfach auszubilden. Know-How, Studiendauer, Studienmaterial, Unterhalt etc. verursachen Kosten. Eventuell hat man gar keinen direkten Zugriff auf die Ausbildung und ist vom "Good-Will" der Magie-Beherrscher angewiesen.
Magie konkuriert desweiteren mit den mundanen Äquivalenten: Lebensmittelbeschaffung, Handwerk etc., die eben auch auf andere Weise und eventuell kosteneffizienter zu bewirtschaften sind.

Ich möchte den Fokus jetzt mehr auf Entwicklungen in der Magie legen. Es wurden schon brennende Schwerter und uralte Artefakte angesprochen.

Allgemein ist der "Kanon" ja, dass es uralte mächtige Artefakte gibt, die von Abenteurern wiederentdeckt werden. Umkehrschluss: da diese Artefakte anscheindend total toll sind, wird Äquivalentes heute nicht mehr hergestellt. Das sieht nach verlorenem Wissen oder verbrauchten Ressourcen aus. Ergo eine Entwicklung, aber eben nach hinten. Das IST doch etwas! Vielleicht sollte man das mal etwas ausbauen! Warum können solche Artefakte nicht mehr geschaffen werden? Warum sind sie überhaupt verloren gegangen?
Außerdem wird "überall" magisch geforscht. Ständig hört man von Magiern in ihren Türmen oder Dungeons, die an irgend etwas forschen. Und was kommt dabei heraus?
D&D kennt ja eine Vielzahl von Zaubern. Einige gelten als No-Brainer, andere als Nice to have. Wieder andere als schlechte Wahl. Was wenn das auf Grund der Forschung so ist? Die "No-Brainer" sind eben die jüngsten Durchbrüche, die natürlich die älteren Zauber in den Schatten stellen (können).
Das werde ich auf jeden Fall ab jetzt so verkaufen :mrgreen:
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 20:13

Die Römer haben Gläser hergestellt die wir in den 90ern (aktuellen Stand weiss ich nicht) noch nicht nachbauen konnten!
Es könnte also durchaus früher das "Römische Reich" gegeben haben, nach dessen Untergang durch Barbaren einfach extrem viel Wissen verloren ging.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 20:45

warum gibt es noch länder die heutzutage lichtjahre der entwicklung hinterherhinken?
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 11. Februar 2015, 21:13

und diese hast du gerade im ersten satz selbst aufgezählt ;)
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Dis Pater » 12. Februar 2015, 08:52

Kalgani hat geschrieben:Die Römer haben Gläser hergestellt die wir in den 90ern (aktuellen Stand weiss ich nicht) noch nicht nachbauen konnten!
Es könnte also durchaus früher das "Römische Reich" gegeben haben, nach dessen Untergang durch Barbaren einfach extrem viel Wissen verloren ging.
Ist letzteres nicht sogar eine recht häufig anzutreffende Prämisse in (RPG-)Settings?
Jedenfalls kommt es mir so vor, als wären die Alten(tm) und untergegangene Reiche eine oft benutzte Trope.
(Realgeschichte: Römer, Griechen, Phönizier, Babylonier, altes China; Mythos: Atlantis; Rollenspiel: Cthulhu, Earthdawn, Numenera ; außerhalb des Rollenspiels: Stargate, Andromeda, Star Trek, Star Wars, Herr der Ringe, ...)

Was den ersten Satz betrifft: Kannst Du Dich noch erinnern, wo Du die ursprüngliche Information her hast?
Die Behauptung macht mich gerade etwas stutzig.

Grundsätzlich: Kalgani, kannst Du mal konkret benennen, welche Position Du hinsichtlich des von Tudor angesprochenen Dynamik-Problems vertrittst? ich erkenne da irgendwie keine genaue Linie bzw. Stoßrichtung deiner Argumentation und denke, dass das Missverständnis mit Mapugnar u.U. daher rühren könnte. Denn alles was dieser fordert, ist ja nur, dass ein Setting eventuelle Gründe für eine Stagnation deutlich ausweisen sollte, nicht dass Stagnation grundsätzlich undenkbar oder etwas schlechtes sei. So hab ich das jedenfalls verstanden.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Kalgani » 12. Februar 2015, 09:43

Die erste Behauptung kommt aus dem römisch-germanischen Museum. Anfang der 90er hatte die dort eine spezielle Ausstellung rund um römische Glasblaskunst.
Die Aussage kommt von der Gruppenführung damals und wenn du die ausgestellten Glaskörper gesehen hättest würde du diese Aussage wahrscheinlich nicht mal in Frage stellen ;)

btt:
Warum empfindest du viele Settingtimelines denn als sehr konstruiert?
Wenn ich mir die reale Historie anschaue denke ich auch oft: "WTF, das kann doch so gar nicht gewesen sein!"

Allein die Geschichte die zum ersten Weltkrieg führte ist eher peinlicher Kindersturrkopf als das sie wahr sein dürfte.
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Re: Die Dynamik (im Hintergrund) eines Fantasy-Settings

Ungelesener Beitrag von Dis Pater » 15. Februar 2015, 10:20

(1) Römisches Glas: Ich bin regelmäßig im Römisch-Germanischen, das ja für seine Sammlung römischen Glases weithin bekannt ist. Daher nehme ich schwer an, dass ich die Stücke, von denen Du sprichst, sicherlich schon gesehen habe. Eine Behauptung der Art "wir konnten in den 90ern kein Glas dieser Qualität selber herstellen" ist mir aber noch nie dort begegnet. Denkbar ist, dass die handwerklichen Fertigkeiten verloren gegangen sind, aber die industrielle Glasproduktion war auch schon in den 90ern deutlich weiter als das, was die Römer jemals hergestellt haben. Allerdings hat mich das jetzt neugierig gemacht und ich werde mal weiter recherchieren.

(2) Ich befürchte, wir reden hier aneinander vorbei. Ich kann mich nicht daran erinnern, an irgendeiner Stelle davon gesprochen zu haben, dass ich "viele Settingtimelines als konstruiert" empfinde. Vielmehr habe ich bislang versucht, Tudors Eingangspost zu erläutern und festzuhalten, dass historische Statik bei MA-Settings gar nicht so abwegig ist, weil es dazu auch realhistorische Vorbilder gibt. Nur hinsichtlich des Faktors Magie sollte ein Setting eine Begründung liefern, die verständlich macht, warum dieses Element nicht zu einem rasanten quasi "technischen" Fortschritt führt. Mapugnar hat in eine ähnliche Richtung argumentiert. Es kommt mir aber so vor, als willst Du diese Erklärungen wie es zu Statik kommen kann, nicht so stehen lassen. Hier fehlt mir aber ein Motiv deinerseits. Insbesondere weil Du am Anfang dieses Fadens selbst Kritik an einer überbordenden Dynamik innerhalb eines Settings geäußert hast. Eigentlich war ich daher der Ansicht, dass ich Dir Thesen liefern würde, die Statik weitestgehend aufrecht zu erhalten. Stattdessen kommt jetzt dieser Hinweis auf die Konstruiertheit von Settings, den ich in diesem Zusammenhang nicht verstehe. Vielleicht könntest Du mir da nochmal auf die Sprünge helfen?
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