Concordia

Alles, was viel Platz auf dem Tisch braucht - von Mensch ärgere Dich nicht über die Siedler von Catan bis hin zu Twilight Imperium.
Firyar
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Concordia

Ungelesener Beitrag von Firyar » 28. Dezember 2014, 19:20

Seit der Spiel 2013 wartet das Brettspiel auf seinen Einsatz. Kurz gesagt würde ich Concordia als einen Merge zwischen 1. Thurn & Taxis und 2. Die Siedler von Catan bezeichnen.

1. Man besiedelt Städte, die in verschiedenen Provinzen liegen und kriegt je nach Ort und Stadtart Siegpunkte.
2. Man erwirtschaftet durch sein Städte Ressourcen, mit denen man handeln, weitere Siedlungen bauen oder Einheiten kaufen kann

Nicht unterschätzen sollte man allerdings den Deck-Buildung Mechanismus. Züge werden anhand des eigenen Decks gemacht, darunter Aktionen zum Besiedeln, sich bewegen, handeln, Erträge erwirtschaften etc. Das Deck kann durch kaufbare Karten (Kosten eine gewisse Anzahl an Ressourcen) erweitert werden. Wo ich in anderen Spielen eventuelle Karten immer recht stiefmütterlich behandelt habe, wird einem hier erst nach einer gespielten Partie die Macht der Karten klar. Nicht nur, dass sie mehr Flexibilität bezüglich der Züge ermöglichen, je nach Kartentyp bringen sie am Ende nochmal ordentlich Siegpunkte ein (zb. pro Stadt die Weizen produziert 3 Siegpunkte; für jede Ressource, die das eigene Reich produzieren kann 2 Siegpunkte; für jede Einheit auf dem Spielbrett 2 Siegpunkte oder wie ähnlich wie in Thurn & Taxis einen Siegpunkt pro besiedelte Provinz).
So kommt man ordentlich ins Grübeln: versucht man jetzt den Bonus für je eine Stadt in jeder Provinz zu erspielen? Oder kauft man sich eine Bonuskarte für Weizenstädte und versucht dann so viele Weizenstädte wie möglich zu besiedeln? Oder doch lieber viel Geld erwirtschaften?

Der "PvP"-Anteil beläuft sich auf 3 größere Elemente:

1. Die kaufbaren Karten. Ein Nachlegemechanismus sorgt dafür, dass sie günstiger werden, wenn andere Spieler Karten gekauft werden. Aber natürlich steigt dann die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitspieler einem die Wunschkarte vor der Nase wegschnappt.
2. Die Städte können von allen besiedelt werden. Allerdings kostet die Erstbesiedlung deutlich weniger.
3. In den Provinzen Ressourcen produzieren: hier gibt es entweder Ressourcen oder Geld aus einem Topf. Das wird mit einem einfachen Mechanismus geregelt und bringt nochmal eine strategische Komponente rein.

Insgesamt fand ich das Spiel echt toll. Mit 2 Spielern war mir der Zufallsfaktor nur etwas zu gering (Kaufkarten werden selten weggeschnappt, man hat viel Raum zu siedeln etc.). Ich denke mit 4-5 Spielern würde es (mir) noch mehr Spaß machen.

Fazit:
+ Concordia ist einfach zu erlernen
+ komplexer und strategischer als die oben genannten Spiele Thurn & Taxis und Siedler
+ gute Mischung aus Familienspiel und "Kennerspiel"
+ keine mythische-Indianervölker-Thematik
- fleischgewordene Computer haben vermutlich deutlich bessere Siegchancen. Klar, das ist nicht generell ein Negativpunkt, aber ich mag es bei Spielen einfach nicht, zu sehr auf die Aktionen der anderen Spieler achten zu müssen oder 5 Züge im Voraus planen zu müssen.

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Dis Pater
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Re: Concordia

Ungelesener Beitrag von Dis Pater » 28. Dezember 2014, 20:55

Das Problem mit den Fleisch gewordenen Computern macht sich vor allem bei der Punktwertung bemerkbar. Denn wenn man nicht genau aufpasst, wer welche Karten gekauft hat, erlebt man am Ende ggf. eine böse Überraschung und liegt weit abgeschlagen hinten. Das Spiel ist aufgrund der vielen Bewertungskriterien und und der dynamischen Wertung für Normalspieler extrem intransparent, was die Punkteverteilung anbelangt. Es sei denn, man rechnet ständig nach und/oder bringt Papier und Bleistift zum Einsatz. Ohne wird die Beendigung des Spiels schnell zum Glücksspiel.
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Re: Concordia

Ungelesener Beitrag von Firyar » 29. Dezember 2014, 09:36

Concordia hat allerdings auch zwei Mechanismen, die das Spiel automatisch beenden. Das Ende hinauszuzögern, um noch Punkte aufzuholen klappt je nach Spielerzahl höchstens 2-3 Runden. Ich denke nicht, dass man akkurat verfolgen muss, wieviele Punkte die Mitspieler haben. Natürlich kann man auch darauf hinarbeiten, es den Mitspielern so schwer wie möglich zu machen, indem man für sie strategisch wichtige Städte zuerst besiedelt oder Karten wegkauft, aber ob das so erfolgreich ist...
Die Rechnerei kommt mMn da zum tragen, wo man für sich selbst Züge vorausplant und ausrechnet, welche Karte mehr Siegpunkte bringt und wieviele Ressourcen man exakt braucht. Denn in Concordia wird ein Ressourcenüberfluss weitesgehend nicht belohnt, ein knappes Management lohnt sich eher. Aber selbst das Vorausplanen wird relativiert durch die "Ich mach die Aktion meines Vorgängers nach"-Karte und die nicht vorhersehbaren Änderungen bei den Kaufkarten.

@Mapu: Wenn man beides mag und auch nichts gegen eine etwas komplexere (aber eben auch sehr schnell zu erlernende) Variante hat, dann ist man mit Concordia gut aufgehoben. :)

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