Vorstellungen und Rezensionen

Neues (und altes) von der rollenden Leinwand.
Benutzeravatar
morgenstern
Beiträge: 2121
Registriert: 25. September 2014, 14:49
Ist: Spieler/in
Spielt: All things Powered by the Apocalypse
Möchte spielen: siehe Signatur ;)
Wohnort: Rhein-Kilometer 693

Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von morgenstern » 22. Dezember 2014, 16:43

So, analog zum Literaturbereich gibt es jetzt auch einen Platz für Film- und Serienvorstellungen.
Mindestens haltbar bis: Siehe Boden.

Benutzeravatar
morgenstern
Beiträge: 2121
Registriert: 25. September 2014, 14:49
Ist: Spieler/in
Spielt: All things Powered by the Apocalypse
Möchte spielen: siehe Signatur ;)
Wohnort: Rhein-Kilometer 693

Gravity Falls

Ungelesener Beitrag von morgenstern » 22. Dezember 2014, 16:50

Gravity Falls
Serie (2012–), Disney Channel

Worum gehts? (Spoiler-frei)
Es klingt zunächst nach entsetzlich langweiligen Sommerferien: Die 12-jährigen Geschwister Dipper und Mable sollen die Zeit bei ihrem kauzigen Großonkel Stan im hinterwäldlerischen Nest Gravity Falls, Oregon verbringen. "Gruncle" Stan, betreibt dort im Wald einen verramschten Kuriositätenladen ("The Mystery Shack"), mit dem er durch immer neue Ideen ahnungslose Touristen abzockt.

Doch das kleine verschlafene Städtchen entpuppt sich als doch nicht ganz so harmlos und unschuldig: So findet Dipper im Wald ein mysteriöses Buch über seltsame Ereignisse und übernatürliche Kreaturen, die in der Gegend ihr Unwesen treiben sollen. In jeder Episode stolpern Dipper und seine Schwester so in unterschiedliche verrückte Abenteuer mit vermeintlichen Zombies, Seemonstern, anhänglichen Hellsehern oder verfluchte Supermärkten.

Fazit
Gravity Falls ist eine herrlich bunte Serie, die wirklich Spaß macht. Da sind zunächst einmal die ganzen schrägen, liebenswürdigen Charaktere, allen voran Mable mit ihrer Schwäche für Regenbögen und Glitter, der grummelige, verschrobene "Gruncle" Stan und der einfältige Soos, der im Laden aushilft. Dazu gibt es viele kleine Anspielungen auf bekannte Elemente aus den Fantasy- und Mystery-Genres. Überall merkt man die Liebe zum Detail, einen guten Eindruck vermittelt schon das Intro zur Serie:



Wer auf abgedrehte Figuren und skurrile Begebenheiten steht (als Parallele dazu fällt mir vergleichbar dazu nur der Spiele-Klassiker "Sam und Max" ein), sollte in die Serie mal reinschauen.
Mindestens haltbar bis: Siehe Boden.

Firyar
Beiträge: 502
Registriert: 28. September 2014, 08:53

Re: Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von Firyar » 23. Dezember 2014, 10:05

Three Extremes
2004 Filmreihe, Hong Kong / Korea / Japan

SPOILER-FREI

Wer einen schnellen Einstieg in asiatische Horrorfilme sucht, dem kann ich diese Filmreihe nur empfehlen. Für sich allein genommen sind die Filme sicherlich nicht die allerbesten, die Ostasien zu bieten hat, allerdings bietet das Kompositum einen kleinen Einblick in die diversen Vorstellungen von Horror.

Im Paket enthalten sind:

- Dumplings aus Hong Kong, Regie: Fruit Chan
- Cut aus Korea, Regie: Park-Chan Wook
- Box aus Japan, Regie: Takashi Miike

Dem gemeinen westlichen Filmgucker dürfte höchstens Park-Chan Wook durch seinen Film Old Boy ein Begriff sein, Filmfans werden sicherlich von seinem brillianten Werk I'm a Cyborg but that's okay schwärmen. Takashi Miike ist vor allem für seine brutalen Yakuza-Filme berühmt, sein Werk Ichi The Killer dürfte wohl im Westen das Bekannteste sein. Fruit Chan ist mir kein Begriff, aber ich habe bisher auch keine nur einen weitereFilme aus China/Hong Kong gesehen, The Eye.

Dumplings handelt vom Schönheitswahn einer alternden Schauspielerin. Der Horror ist hier ganz menschlicher Natur.
Cut ist ein typischer Park-Chan Wook, brutal, bildhaft und abgefahren. Man könnte es schon fast als Spin-Off seiner Revenge-Reihe (wozu Old Boy gehört) sehen.
Box scheint etwas untypisch für Takashi Miike zu sein, aber dafür umso typischer für einen japanischen Horrorfilm. Eher leise, subtil und mysteriös. Box zeigt auch, dass japanische Horrorfilme zum Mit-/Nachdenken anregen.

Insgesamt ein sehenswertes Bundle an Horrorfilmen, das zeigt, wie das Genre "Horror" in ostasiatischen Ländern aufbereitet wird. Ansonsten kenne ich nur noch einige gute Horrorfilme aus Thailand (Alone, The Eye, Re-Cycle und ein Film, dessen Name mir absolut nicht mehr einfällt), aber ich werde sicherlich noch weitere Länder durchprobieren. :mrgreen: Three Extremes ist jedenfalls ein guter Start für alle, die ähnliches vorhaben.

Benutzeravatar
Gambit
Beiträge: 4369
Registriert: 09. Oktober 2014, 17:41
Ist: Spieler/in
Wohnort: Bonn

Re: Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von Gambit » 23. Dezember 2014, 10:14

Pssst...The Eye ist ein Hong-Kong Gruselfilmchen von den Pang Brüdern, kennst also doch schon welche außerhalb von Dumplings :)

Ansonsten, sehr gute Wahl :)

Firyar
Beiträge: 502
Registriert: 28. September 2014, 08:53

Re: Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von Firyar » 23. Dezember 2014, 10:30

Stimmt, da hab ich was verwechselt :) Mir fällt partout der Titel von dem anderen thailändischen Film nicht ein^^

Firyar
Beiträge: 502
Registriert: 28. September 2014, 08:53

Re: Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von Firyar » 26. Dezember 2014, 12:43

Marebito
2004 Japan

Der Film ist von Takashi Shimizu, der auch für Ju-on bzw. das amerikanischen Pendant The Grudge verantwortlich ist. Ist aber im Prinzip auch egal, da Marebito sich völlig von diesen beiden Filmen unterscheidet.

Worum geht's? Der Kameramann Masuoka nimmt auch in seiner Freizeit seine Kamera überall hin mit und beschäftigt sich schon fast obzessiv mit dem Medium Film, insbesondere was auf Film aufgenommene mysteriöse Dinge angeht. Nachdem er durch Zufall einen Suizid aufnimmt, beginnt er sich mit steigender Obzession zu fragen, welchem Horror der Selbstmörder kurz vor seinem Tod entgegen geblickt hat. Ganz nach dem Motto "Da auf Minute 2:33 guckt der Selbstmörder panisch zur Seite, da MUSS doch irgendetwas sein!!".

Den Film kann man in mehrere Teile gliedern, die eine Mischung aus Mystery, Wahn und realer Tragödie bilden. Was nun was ist, das kann der Zuschauer selbst entscheiden. Anders als andere J-Horror-Filme ist es hier nicht so schwer der Story zu folgen, auch wenn die Story besonders zu Beginn sehr abgedreht scheint. Was ich eher interessant fand ist die Darstellung von Masuokas Gier nach Horror und Wahnsinn, da findet man sich als Horror-Fan und Cthulhu-Spieler doch irgendwie wieder :D

Als J-Horror kann Marebito nicht ganz überzeugen, aber betrachtet man den Film als Augenzwinkern an alle (Asia-)Horrorfans, ist er doch ganz sehenswert.

Benutzeravatar
Dis Pater
Beiträge: 1222
Registriert: 28. September 2014, 13:34
Ist: Spieler/in und Spielleiter/in
Spielt: SL: "Der Schatten des Dämonenfürsten" und anderen (cthuloiden) Horror; SC: derzeit leider nichts
Möchte spielen: SotDL
Wohnort: Rûl
Kontaktdaten:

30 Days of Night

Ungelesener Beitrag von Dis Pater » 18. März 2015, 20:09

Am Wochenende ist neuerdings wieder Filmsaison - und passend zum aktuell frühlingshaften Wetter fiel die Wahl auf einen ziemlich kühlen Streifen aus dem Jahr 2007. 30 Days of Night (R: David Slade) erzählt die Geschichte des kleinen Städtchens Barrow, welches aufgrund seiner geographischen Lage im hohen Norden jedes Jahr mit einem Monat durchgehender Dunkelheit zu kämpfen hat. Das ist zwar astronomisch eigentlich nicht ganz korrekt, aber immerhin kommt die Realität der Filmprämisse recht nahe, so dass wir diesen Schnitzer erstmal verzeihen.

Worum geht's? (spoiler-frei)
Ganz Barrow steckt in den Vorbereitungen für die alljährlich kommende Finsternis: Vorräte werden gehortet, der Verkauf von Alkohol eingestellt und alle empfindlichen Gemüter verlassen fluchtartig mit dem letzten Versorgungsflieger die Stadt Richtung Süden. Doch während sich die letzten Lichtstrahlen langsam aus dem kleinen Ort zurückziehen, taucht plötzlich ein heruntergekommener Fremder auf, von dem keiner weiß, wo und wie er hergekommen sein könnte. Gleichzeitig häufen sich Fälle von Zerstörungswut und sinnloser Gewalt: unzählige Mobiltelefone werden gestohlen und verkohlt wiedergefunden, Schlittenhunde massenweise und scheinbar grundlos von Unbekannten getötet und schließlich fällt sogar die Satelliten-Kommunikationsstation aus. Der junge Sheriff Eben Oleson (Josh Hartnett), der das County zusammen mit seinem noch jüngeren Bruder und seiner Großmutter als Familienbetrieb führt, hat deshalb auch kaum Zeit, sich um seine Ex-Frau Stella (Melissa George) zu kümmern, die dummerweise ihre Maschine verpasst hat und nun für einen Monat festsitzt. Hilflos muss Eben zusehen, wie die dunklen Zeichen sich in hohem Tempo verdichten und schließlich das Böse über seine Heimat hereinbricht. Barrow wird nie wieder so sein wie früher - und wenn nicht ein Wunder passiert, wird auch niemand jemals erfahren warum.

Handwerkliches (ACHTUNG! Spoiler!)
Von der Grundidee her ist 30 Days ... im Anschluss an diese Overture ziemlich genau das, was der Zuschauer erwartet: Monster fallen über Städtchen her, schnappen sich die Bewohner zuerst nur häppchenweise und gehen schließlich zum Großangriff über. Behörden und Bevölkerung kapieren exakt eine Minute zu spät, was eigentlich los ist, finden sich in der Defensive und ein Wettlauf um die Zeit beginnt: Werden die wenigen Überlebenden, die sich um den Sheriff gesammelt haben, den Monat der Dunkelheit überleben, um dem Rest der Menschheit von der drohenden Gefahr zu berichten? Natürlich geht dieses Rennen nicht ohne Verluste vonstatten und der ein oder andere Charakter muss feststellen, dass er postum einen Darwin-Award verdient hätte. Andere Figuren wachsen unvorhergesehen über sich hinaus, nur um ihren heldenhaften Einsatz dennoch mit dem Tod zu bezahlen. Am Ende wird der Cast überschaubar und natürlich gibt es ein Happy End - zumindest im allgemeinen Sinn. 08/15-Ware also? Nicht ganz. Ein paar Sachen sind bei 30 Days ... anders - und nicht immer besser.

Beginnen wird bei der Auswahl der Monster: Wer bis hierhin eins und eins zusammengezählt hat, der ahnt es schon - 30 Days ... ist ein Vampirfilm. Allerdings einer von der Zombie-Splatter-Sorte. Verwirrt? Kein Wunder. Denn den Vampiren geht so ziemlich alles ab, was diese Wesen der Nacht sonst so sexy für Literatur und Film macht: Sie sind bei Regisseur Slade keine Einzelgänger,sondern jagen im Rudel. Sie sind keine urbanen Connaisseurs mit Stil, sondern eher ein wildes Pack, an dem das einzig zivilisatorische die Kleidung darstellt. Sie sind auch keine besonders erotischen oder schönen Wesen - ihre hässliche Raubtierfratze ist dauerhaft, teilweise arg verzerrt und fremdartig. Sie sind dadurch leicht zu erkennen, also auch nicht so subtil, wie in anderen Darstellungen. Eine menschliche Sprache scheinen sie nicht zu sprechen. Stattdessen kommunizieren sie mittels Grunz- und Kreischlauten (und manchmal in pseudo-osteuropäisch?). Schließlich bleiben auch ihre Motive unklar. "Wieso darf niemand von ihrer Existenz erfahren?" ist noch die harmloseste Frage. Spannender sind sicher "Woher kommen diese Monster?" oder "Wieso schlagen sie ausgerechnet hier und zu diesem Zeitpunkt zu?" Selbst der Grund für die Jagd auf Menschen ist ungewiss, denn trotz ihrer offensichtlichen Jagdkunst scheinen es die Vampire in diesem Film weniger auf eine dauerhafte oder auch langfristige Blutversorgung abgesehen zu haben, sondern beweisen vielmehr Slasher-Qualitäten ohne Sinn und Verstand, so wie man es eben eher aus Zombie-Filmen gewohnt ist. Zum letzteren Prädikat passt auch, dass es in 30 Days of Night kein Übergangsritual gibt, um zum Vampir zu werden. Scheinbar ist der Biss eines dieser Monster, so unscheinbar er auch ausfällt, Grund genug für Menschen, sich in ihren eigenen Feind zu verwandeln, was dann auch absehbar zur beinahe typischen "Ich bin infiziert, aber rücke nicht damit raus"-Situation führt. (Die aber immerhin nicht ganz so klischeehaft aufgelöst wird.)

Das Glück der Bewohner ist nun, dass die Vampire zudem an einer unglaublichen Überheblichkeit ihres Anführers leiden, der nicht nur wegen seiner Zwangs-Licht-Diät blass bleibt. Die Figur ist schlecht gespielt und umgesetzt. Als Antagonist bleibt dieser Charakter hinter allen Erwartungen zurück. Zu beliebig und teilweise kryptisch bleiben seine pseudo-philosophischen Einsichten in das Wesen des Menschen und den Nutzen der Zerstörung. Gut, dass er relativ leicht zu erledigen ist: Ein wenig Sonnenlicht (wie überraschend) oder ausreichend großer körperlicher Schaden (Enthauptung, Zerfetzen von Körperteilen) scheint ausreichend, um sich der Plage zu entledigen. Hätten das nur alle direkt von Anfang an gewusst. Immerhin verfallen Drehbuch und Regie nicht dem üblichen Kitsch: Knoblauch, Kreuze und Spiegel sucht man in diesem Film vergeblich. Wie schon angedeutet allerdings auch den Plot oder eine konsistente Entwicklung der Protagonisten. Josh Hartnett ist mal eine Abwechslung und ein tolles Sinnbild für einen verwöhnten Greenhorn-Sheriff am Ende der Welt. Aber anstatt auf den Zusammenbruch der vertrauten Welt einzugehen verliert sich seine Erzählung in einem völlig stupiden, weil sinnlosen und überflüssigen Heldenakt, im Zuge dessen er sich selbst mit dem Vampir-Virus infiziert und entgegen aller bisherigen Erfahrung nicht zu einem bösen Monster wird. Da wollte wohl jemand noch eine finale Konfrontation im Film haben. Schade nur, dass selbst die Action an dieser Stelle nicht stimmt und weit hinter dem Prädikat "erinnerungswürdig" zurückbleibt.

Der Rest des Films ist im Prinzip vernachlässigbar. Mittelmäßige Musik, die man sofort wieder vergisst. Mittelmäßige Aufnahmen, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Farblose und beliebig auftauchende Nebendarsteller, bei denen man sich später fragt, wieso sie überhaupt im Drehbuch standen. Ben Foster z.B. Oder Manu Bennett, der den Zuschauer in der ersten Szene mit einem Action-Versprechen in den Film lockt und dann keine nennenswerte Screentime mehr bekommt. Von Action ganz zu schweigen. Immerhin ist das Pacing in Ordnung, die Exposition schnell abgehandelt und es wird nicht wirklich langweilig.

Fazit
Für einen Abend ohne sonstige Beschäftigung ein passabler Zeitvertreib. Allerdings offiziell nur für Erwachsene - wegen der fehlenden Jugendfreigabe - und allerhöchstens auf dem Niveau des seichtesten Popcorn-Kinos. Selbst simpelste Fragen sollte man an den Film möglichst keine stellen, sie werden eh nicht oder nur unzureichend beantwortet. Vielleicht ist es besser, die Comic-Reihe zu lesen, auf dem der Film basiert. Im Deutschen ist diese bei Cross Cult erschienen.
Ceterum censeo Cthulhu esse excitandum!

Benutzeravatar
morgenstern
Beiträge: 2121
Registriert: 25. September 2014, 14:49
Ist: Spieler/in
Spielt: All things Powered by the Apocalypse
Möchte spielen: siehe Signatur ;)
Wohnort: Rhein-Kilometer 693

Re: Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von morgenstern » 20. Mai 2015, 06:38

Hmm, es passt nicht ganz hier rein, aber es spiegelt ziemlich genau meine Gedanken wieder, als ich den Film gesehen habe (und ich habe nur unter geistigen Qualen bis zur Hälfte etwa durchhalten können).
Wenn sich also jemand mit dem Gedanken trägt, Jupiter Ascending zu schauen, lasst es bleiben. Wirklich. Das ist verschwendete Lebenszeit. Da hilft auch das allgegenwärtige CGI-Bombardement nicht.

Mindestens haltbar bis: Siehe Boden.

Benutzeravatar
Batman
Beiträge: 1021
Registriert: 26. September 2014, 00:29
Ist: Spieler/in und Spielleiter/in
Spielt: Als Spielleiter : Call of Cthulhu / Savage Worlds / Paranoia / ein paar 2nd Edition AD&D-Welten.
Wohnort: Deutz

Re: Vorstellungen und Rezensionen

Ungelesener Beitrag von Batman » 29. Mai 2015, 13:44

Ab Donnerstag im Kino:

Nice Places to die


Ich war in Pressevorstellung und konnte ihn deswegen vorab schon sehen. Regisseur Bernd Schaarmann reist um die Welt und findet in Mali, Buenos Aires, Kairo und Sulawesi Menschen, die von ihrem Alltag mit dem Tod berichten, der so ganz anders ist, als wir es in unserer Gesellschaft gewohnt sind.

Allein die Geschichte des Filmemachers ist hier schon fast sensationell : Bernd Schaarmann wächst als Kind in einer Bestatterfamilie auf, spielt auf Friedhöfen und soll selbstverständlich den Familienbetrieb einmal übernehmen - doch er entscheidet sich anders, wird Journalist und dreht zwei Filme über den Tod und das Sterben. Fünf Tage nach Vollendung seine zweiten Filmes "Nice Places to die" stirbt er völlig unerwartet im Alter von 46 Jahren. Allein diese Konstellation macht den Film schon sehenswert, wenn man sich denn für das Thema interessiert. Tatsächlich findet der Dokumentarfilmer wirklich interessante Menschen und in/auf Sulawesi eine Kultur, die einen gänzlich anderen Umgang mit dem Tod pflegt und er schafft es, sehr nah an diese Menschen heranzukommen. Insbesondere die Filmaufnahmen aus Argentinien und Sulawesi sind teilweise atemberaubend, großes Kompliment an den Kameramann. Aber was mir nicht gefällt, ist dass ich den Eindruck habe, dass der Film eigentlich Stückwerk ist, dass die einzelnen Teile nicht wirklich zueinander passen wollen. So philosophiert der Bestatter aus Argentinien tiefsinnig/religiös über Leben, Tod und Gott, während die Menschen in Mali und Kairo zwar auf Friedhöfen und somit ganz nah bei den Toten leben, aber ansonsten eigentlich keinen weiteren Bezug zum Thema Tod haben. Ausserdem ist der Film stellenweise sehr kitschig und die Musik und die Bilder ab einem gewissen Zeitpunkt sehr pathetisch. Und das ganz große Problem dieses Filmes : Er ist zu lang. Manche Personen erscheinen kurz und tauchen später nie wieder auf, an anderen Punkten wiederholt sich der Film und letztlich verpasst er sein eigenes Ende nach ca.95 Minuten und nimmt uns noch einmal mit auf die große Rundreise von Argentinien nach Ägypten. Das war des Guten letztlich zuviel. Nichtsdestotrotz - wenn man mit ein paar Längen und etwas Gefühlsduselei leben kann, gibt es auch viele spannende Momente, die "Nice places to die" letztlich durchaus sehenswert machen.

3 von 5 Schädeln ...
I wanna eat dirt, I'm gonna eat my own shirt - Angel City tonight! (Lemmy Kilmister)

Antworten